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Tuesday, 24 march 2015 | Neue Zürcher Zeitung

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Staatliche Falschmünzer in Spanien

Skandal um Gedenktaler



NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
   
19-03-2015
 
ANDRES WYSLING
 
 
Metallgeld hat praktisch ausgedient, auch Papiergeld gerät zunehmend ausser Gebrauch, Plasticgeld ist der Münzstandard der Zeit. Und in Zukunft – sie hat schon begonnen – wird man wohl nur noch mit frei schwingenden Elektronen zahlen, die auf wundersame Weise im Internet zirkulieren und bei Bedarf vom WWW aufs Mobiltelefon hüpfen. Umso erfreulicher ist es, dass auch in Zeiten entmaterialisierter Geldströme und entfesselter Geldmärkte doch immer wieder Gedenkmünzen geprägt werden, Goldmünzen wie in alten Zeiten. Feste Werte, meint man.

So auch in Spanien. Da erregt die neueste goldene Gedenkmünze der staatlichen Münzstätte Aufsehen, noch bevor sie in den Verkauf gekommen ist; sie liegt bis jetzt erst als Probeprägung vor. Zu sehen ist auf der einen Seite der Kopf des neuen Monarchen, Felipe VI., der seit dem letzten Jahr im Amt ist. Auf der andern Seite fliegt eine plumpe Friedenstaube mit Ölzweig, und da steht der Prägewert: 200 Euro. Noch eine weitere Zahl wird mitgeteilt: «70 Jahre Frieden.» Das ist ein Skandal.
 
Das Jahr 1945 markiert in Spanien kein Kriegsende und keinen Friedensbeginn, das Land nahm am Zweiten Weltkrieg nicht teil. «25 Jahre Frieden», liess jedoch der Putschist und Diktator Franco im Jahr 1964 verkünden, ein Vierteljahrhundert nach seinem Sieg im Bürgerkrieg 1939. Seine Anhänger behaupteten nach seinem Tod im Jahre 1975 dreist, das Franco-Regime habe Spanien «40 Jahre Frieden» gebracht – in dieser Zeitspanne hatten auch die drei Bürgerkriegsjahre Platz. Die Nachkriegsjahre mit Unterdrückung und Arbeitslagern waren im Einparteistaat des Alleinherrschers auch nicht gerade eine himmlische Zeit.

Wenn jetzt die staatliche Münzstätte eine 70-jährige Periode des Friedens feiert und derart den selbsternannten «Caudillo von Gottes Gnaden» zum Friedensfürsten erhebt, so wie dieser das seinerzeit selbst vormachte, ist das entweder geschichtliche Blindheit oder propagandistischer Betrug. Auf jeden Fall ist es Falschmünzerei – betrieben vom Staat.
 

Foto:   http://economia.elpais.com/economia/2015/03/17/actualidad/1426596990_293986.html
   
 


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