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Tuesday, 2 june 2015 | WIRTSCHAFTS BLATT

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Katalonien eröffnet Auslands-Delegation in Wien

Die Werbung um Investoren in ganz Mittel- und Osteuropa und kulturelle Kontakte sind die Aufgaben der katalanischen Vertretung, die im Juni in Wien eröffnet wird. Und die Vorbereitung der Unabhängigkeit auch.



WIRTSCHAFTS BLATT
 
31-05-2015
 
Das kleine Büro in der Stadiongasse 5 in der Wiener Innenstadt ist schon fast fertig. Noch im Juni soll die katalanische Delegation offiziell eröffnet werden. Auch Kataloniens Regierungschef Artur Mas wird erwartet. Das Büro soll wie eine Außenhandelskammer funktionieren. Madrid beäugt die Auslands-Avancen Barcelonas angesichts der Unabhängigkeitsbestrebungen der nordwestspanischen Provinz skeptisch.

"Das große Drama in Spanien und Katalonien ist eine enorm hohe Arbeitslosigkeit, die nicht mehr salonfähig ist. Wir werden deshalb hier vor Ort versuchen, österreichische Unternehmen und Investitionen nach Katalonien und damit auch nach Spanien zu locken, um Arbeitsplätze zu schaffen", schlägt Delegationsleiter Adam Casals im APA-Gespräch in Barcelona aber eher moderate Töne an. Von Wien aus werden auch Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien und die in Wien ansässigen internationalen Organisationen betreut.

Wien Brücke zu Mittel- und Osteuropa
"Wien ist für uns ein sehr wichtiger Standort, um von hier aus nicht nur in Österreich, sondern auch in Mittel- und Osteuropa präsent zu sein und direkte Beziehungen zu diesen Ländern aufzubauen", meint der 42-jährige Katalane. Es sei wichtig, dass österreichische Unternehmen in Wien einen direkten Ansprechpartner haben. Man sei dabei keine Konkurrenz zur spanischen Botschaft oder Außenhandelskammer. "Ich glaube sogar, die spanischen Kollegen freuen sich, dass wir nach Wien kommen. Wir werden zusammenarbeiten. Es geht um Synergien", meint der gelernte Unternehmensberater, der schon seit Jahren im deutschsprachigen Raum für internationale Firmen und Organisationen arbeitet.

Der spanischen Zentralregierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy (PP) ist die bevorstehende Eröffnung der katalanischen Delegation in Wien allerdings ein Dorn im Auge. Madrid sieht in den rund 50 geplanten katalanischen "Botschaften" eher den Versuch, den Loslösungsprozess von Spanien voranzutreiben. Tatsächlich will die katalanische Regierung am 27. September in "plebiszitären Regionalwahlen" indirekt über die Unabhängigkeit der Region abstimmen lassen, nachdem im November 2014 ein Unabhängigkeitsreferendum vom spanischen Verfassungsgericht verboten wurde.

Katalonien baut "staatliche Strukturen" auf
Im Zuge des "Nationalen Übergangsprozesses" bauen die Nationalisten von Artur Mas derzeit auch "staatliche Strukturen" auf. Regierungssprecher Francesc Homs erklärte, Katalonien brauche eine direkte Vertretung im Ausland sowie bei internationalen Organisationen, um bilaterale Beziehungen anzubahnen und die Interessen Kataloniens zu verteidigen.

Adam Casals will beruhigen: "Ich bin nicht nach Wien geschickt worden, um hier die Loslösung Kataloniens von Spanien zu verteidigen. Ich bin hier, um vor allem Wirtschaftskontakte aufzubauen und Kulturförderung zu betreiben". Er versteht die mediale Aufregung über die Delegation nicht: "Laut der spanischen Verfassung dürfen spanische Regionen Auslands-Vertretungen unterhalten. Katalonien hat seit 1986 eine Vertretung in Brüssel. Das ist auch normal in anderen europäischen Ländern und gut für die Wirtschaft, gut für die Kultur und gut für unsere gemeinsame Zukunft".

Casals stellt klar: "Wir sind keine Botschaft, ich bin kein Botschafter und mein Botschafter ist der spanische Botschafter Alberto Carnero". Und weiter: "Ich pflege eine gute Beziehung zu ihm und sagte ihm noch vor Kurzem, Wien sei ein Ort, der den Dialog verkörpere. Ich möchte, dass wir von der katalanischen Delegation zusammen mit der spanischen Botschaft einen Dialog vorleben, der auch zwischen Spaniern und Katalanen bestehen sollte, und er gab mir Recht".

Dialog liegt auf Eis
Der Dialog zwischen Madrid und Barcelona über die Unabhängigkeitswünsche liegt allerdings auf Eis. "Zwei können sich nicht einigen, wenn einer immer nur Nein zu allem sagt", sagt Casals mit Blick auf die Blockadehaltung der Zentralregierung, überhaupt über das Selbstbestimmungsrecht der Katalanen zu reden. Manchmal sei daher eine friedliche Scheidung möglicherweise besser als ein ewiger Streit, so der katalanische Wien-Delegierte. "Spanien ist auch ein Teil von uns, wir haben dort Freunde und Familie. Das soll auch so bleiben. Madrid muss verstehen, dass Katalonien auch als eigener Staat Spaniens bester Alliierter in Europa wäre - und das nicht nur bei der Abstimmung im Eurovision Song Contest", scherzt er.

Wie kaum eine andere Regierung zuvor, betreibe die regierende konservative Volkspartei derzeit aber eine Re-Zentralisierung Spaniens und die Demontage der katalanischen Autonomie. Abgesehen vom emotionalen Wunsch vieler Katalanen, wie die Schotten im September ebenfalls über ihre Zukunft selber zu bestimmen, gebe es auch klar wirtschaftliche Motive für die Loslösung von Spanien, so Casals: "Wir können es uns nicht leisten, in einem Land zu leben, in dem unsere Kinder keine Zukunft mehr haben. Das geht gegen unsere nationalen Interessen".

Katalonien Motor Spaniens
Spanien sei ein hoch verschuldetes Land. Katalonien erwirtschafte 20 Prozent des spanischen Bruttoinlandproduktes, müsse jährlich 16 Milliarden Euro an Steuern an Madrid abführen, erhalte aber nicht einen Cent zurück. Vor allem kritisiert er das absolute Fehlen von Investitionen in die Region. "Dabei ist Katalonien der Motor, der ganz Spanien aus der Krise holt. Vielleicht könnte man uns ja auch ein wenig entgegen kommen", meint Adam Casals.

So könne man Spaniens wirtschaftsstärksten Region mit 7,5 Millionen Einwohner auch nicht verdenken, mit Blick auf die zunehmende separatistische Bewegung und den plebiszitären Wahlen im September schon mal staatliche Strukturen aufzubauen. Sollte sich die Mehrheit der Katalanen für die Unabhängigkeit entscheiden, könnte aus der Delegation in Wien bald auch eine Botschaft werden. "Wir können derzeit aber nicht von Unabhängigkeit sprechen. Zunächst geht es nur ums Selbstbestimmungsrecht, das uns permanent von der konservativen Zentralregierung aberkannt wird". Deshalb will er auch in Österreich erklären, wer die Katalanen sind und warum viele die Unabhängigkeit wünschen.


 


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