Col·lectiu Emma - Explaining Catalonia

Wednesday, 5 october 2016

Deutsch

Demokratie in Katalonien, eine Chance für Europa

Das Institut der Regionen Europas (IRE), mit Sitz in Salzburg, hat seinen Preis für Journalismus 2016 an Krystyna Schreiber für ihr Buch „Die Übersetzung der Unabhängigkeit“ verliehen. Das ist die Dankesrede der Autorin, die in Englisch gehalten wurde vor mehreren hundert Vertretern europäischer Städte, Regionen und Institutionen.



Sehr geehrte Damen und Herren,
 
Es ist für mich eine große Ehre heute hier bei Ihnen, in dieser schönen Stadt Salzburg, sein zu dürfen, um diese Auszeichnung entgegenzunehmen.
 
Ich komme aus Ostdeutschland und lebe seit fast 15 Jahren in Barcelona. Währen der letzten 6 Jahre habe ich mit großem Interesse die wachsende, friedliche Mobilisierung der Bürger Kataloniens verfolgt. Wie Sie vielleicht wissen, wünscht mehr als 75 Prozent der katalanischen Bevölkerung, dass ein bindendes Referendum über ihre politische Zukunft stattfindet. Leider findet dieses Anliegen keinerlei Gehör, geschweige denn einen Verhandlungspartner.
 
Auch habe ich beobachtet, dass es scheinbar sehr schwierig ist, außerhalb der Region die Probleme und die Hoffnungen der Bürger Kataloniens zu vermitteln, da sie keinen Staat hinter sich haben. Eine sehr lange Zeit waren die internationalen Nachrichten über diese Bewegung sehr negativ und sehr weit entfernt von der Wirklichkeit, die man vor Ort beobachten konnte. Besonders zu Anlässen  wie am 11. September, dem Nationalfeiertag Kataloniens, wenn mehr als eine Million Menschen bei riesigen Demonstrationen mitmachen, die von den Bürgerbewegungen organisiert werden – nicht von Parteien noch von der Regierung – um ihrem Wunsch nach einem Volksentscheid, Nachdruck zu verleihen. Und alles ohne dass ein einziges Glas zu Bruch kommt. Dies sollten wahrlich gute Nachrichten sein.
 
Deshalb habe ich mich entschieden, dieses Buch zu veröffentlichen. Weil es letztlich um Demokratie geht, um gegenseitiges Verständnis und um Würde, die Grundpfeiler des europäischen Projekts sind.
 
Katalonien war schon ein aktiver Teilnehmer dieses europäischen Projekts noch bevor Spanien vor 30 Jahren Mitglied der EU wurde. Die Katalanen empfinden Europa als ihre natürliche Heimat und möchten es mit ihrer ganzen Kraft unterstützen. Tatsache ist, dass in den letzten 10 Jahren Katalonien für 1,5 Millionen Einwanderer zur Heimat geworden ist, die aus aller Herren Länder gekommen waren; zur Zeit sind nur 32 Prozent der Bevölkerung Kataloniens katalanischen Ursprungs. Vor kurzem hat die katalanische Regierung angeboten, 5.000 Flüchtlingen aus Syrien Zuflucht zu geben, um der EU in dieser Zeit der großen Herausforderungen Hilfe zu leisten. Für mich als Deutsche ist es auch bemerkenswert, dass es im katalanischen Parlament nicht einen einzigen Vertreter rechtsextremer Parteien gibt.
 
Deshalb scheint es in dieser Zeit großer Herausforderungen für die EU besonders wichtig, ja, vielleicht sogar eine Chance, den Bürgern Kataloniens ihre Würde zurückzugeben, indem man sie auf freiem und demokratischem Weg in einer derart wichtigen Frage, die die Zukunft ihrer nachfolgenden Generationen prägen wird, entscheiden lässt.
 
Gestern wurde in den Eröffnungsreden gesagt, dass es eines der Ziele des europäischen Projekts war und ist, die Hoffnung und die gegenseitige Verständigung zu fördern. Genau dies ist das Ziel, für das die Bürger Kataloniens arbeiten. Und deshalb möchte ich dem Institut der Regionen Europas für diese Anerkennung besonders danken, weil sie ein weiterer kleiner Schritt in Richtung jenen Europas ist, das wir an unsere Kindern weitergeben wollen: das Europa der Bürger, das Europa der Demokratie. Vielen Dank.

Salzburg, 26-09-2016.



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