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Tuesday, 22 august 2017 | NEUE ZÜRCHER ZEITUNG

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Selbst in der Stunde der Trauer schenken sich Madrid und Barcelona nichts

Die Ministerpräsidenten Spaniens und Kataloniens verstehen sich wegen der Unabhängigkeitsfrage alles andere als gut. Entsprechend verlief ihr Treffen am Freitag in Barcelona.



NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
 
von Ute Müller, 18.8.2017
 
Es ist genau 17 Uhr, als Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy am Donnerstagnachmittag die Kunde von den schrecklichen Ereignissen in Barcelona erhält. Er ist gerade mit seiner Frau und seinen Söhnen in seiner Heimatregion Galizien in den Ferien, doch seine Entscheidung steht augenblicklich fest. Er sagt eine Veranstaltung in einem Dorf unweit von La Coruña ab und fliegt noch am selben Abend eintausend Kilometer nach Osten, um in der Mittelmeermetropole Barcelona höchstpersönlich das Kommando zu übernehmen.

Drei Tage Staatstrauer

Rajoys Vizepräsidentin und Vertraute Soraya Sanz de Santamaria sowie Innenminister Juan Ignacio Zoido sind mit an Bord. Am Flughafen wird das Trio nicht etwa vom katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont empfangen, sondern von Enric Millo, Delegierter der Madrider Zentralregierung für Katalonien. Puigdemont, flankiert von seinem Koalitionspartner Oriol Junqueras und Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau, verurteilt derweil im Fernsehen die Terroranschläge von Barcelona und Cambrils, die bisher 14 Todesopfer und mehr als 100 Verletzte forderten.

Rajoy lässt sich ganz nach seiner Art noch etwas Zeit, dann, kurz nach Mitternacht, zeigt er, wer der Herr im Hause ist: «Ich will die Solidarität ganz Spaniens mit der Stadt Barcelona zum Ausdruck bringen. Wir sind vereint, um den Terrorismus zu besiegen», sagt Rajoy an seiner Pressekonferenz in Barcelona und verordnet seinem Land drei Tage Staatstrauer.

Von Einheit kann allerdings keine Rede sein. 20 Stunden müssen nach dem Attentat vergehen, bevor Rajoy und Puigdemont gemeinsam vor die Kamera treten. Nicht nur die Koordination zwischen den Sicherheitskräften sei wichtig, sondern auch die zwischen den Verwaltungen und Politikern, sagte Rajoy.

«Jeder für sich»

Doch die Tatsachen sprechen eine andere Sprache: Zu den beiden Krisensitzungen mit der Guardia Civil und der Polizei lädt er die katalanischen Mossos d'Escuadra nicht ein, obwohl die einheimischen Sicherheitskräfte Kopf und Kragen bei der Terroristenjagd riskieren. «Rajoy und Puigdemont sind sehr koordiniert, allerdings jeder für sich», ätzte denn auch das digitale Portal «El Español» und kritisierte, dass die beiden gezwungenermassen erst zur Schweigeminute am Freitag zusammenkamen.
 
In der Tat ist das Verhältnis der Männer, die sich dieses Jahr erst zwei Mal getroffen haben, unterkühlt, um es gelinde auszudrücken. Puigdemont und seine Genossen halten hartnäckig an ihrem Ansinnen fest, am 1. Oktober eine Volksbefragung über die Gründung eines eigenen Staats durchzuführen. Madrid kontert mit Drohungen und bringt die gesamtspanische Justiz gegen die aufmüpfigen Katalanen in Stellung. Doch diese lassen sich nicht kleinkriegen. Das Attentat werde keinen Einfluss auf die Marschroute der Regierung haben, machte Puigdemont klar. Rajoy hat nichts anderes erwartet, er wollte sich den Katalanen vor allem als besorgter Landesvater zeigen. In den kommenden Wochen wird man sehen, ob die Stimmung zu seinen Gunsten kippt und sich sein Einsatz in Katalonien gelohnt hat.
 
 


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