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Thursday, 6 september 2018 | TELEPOLIS

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Spanische Ultras greifen Kameramann in Katalonien an

Nun hat es ein Angriff ins nationale Fernsehen geschafft, da sich die Ultras geirrt haben, denn es handelte sich um einen Journalisten von TeleMadrid und nicht des katalanischen TV3


TELEPOLIS
 
31. August 2018
 
Von RALF STRECK
 
 
Dass spanischen Unionisten die katalanischen Medien ein Dorn im Auge sind, ist seit langem bekannt, so wurde längst versucht, unter anderem den katalanischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter spanische Kontrolle zu bekommen. TV3-Journalisten, wenn sie identifiziert werden, sind immer wieder auf Unionisten-Demonstrationen Aggressionen ausgesetzt, auf denen Faschisten auch Hakenkreuze und den Hitlergruß zeigen, wie gerade in Chemnitz. Auch in Spanien werden Ultras gerne gewalttätig gegenüber Pressevertretern und Andersdenkenden, greifen katalanische Radiostationen an, machen Jagd auf Flüchtlinge oder Einwanderer, die sich bisweilen auch nicht aus dem Haus trauen, wenn Rechtsradikale in größerer Zahl aus Spanien anreisen.
 
Am Mittwoch traf es allerdings einen spanischen Kameramann. Der Beschäftigte von TeleMadrid wurde mit TV3-Kollegen verwechselt. Die Tatsache, dass Víctor Albert ein T-Shirt mit einem gelben Aufdruck und einen Sticker der Musikgruppe "Los Planetas" trug, machte ihn zum Ziel von Tritten und Faustschlägen. Dass er einer Frau, die ihn bei der Arbeit immer wieder ans Bein trat, zu erklären versuchte, dass er doch für TeleMadrid arbeitet, besänftigte die nicht. Die Stimmung heizte sich immer weiter auf, bis es Faustschläge regnete. Vier trafen ihn und Albert musste schließlich von Kollegen und der Polizei vor einem aufgebrachten Mob in Sicherheit gebracht werden. Die Kollegen von TV3 waren schon zuvor Anfeindungen ausgesetzt und hatten sich längst vom Geschehen am Parlamentspark entfernt.

Dass es nun aber eine, wenn auch verhaltene Empörung, in spanischen Medien gegeben hat, ist wohl allein der Verwechslung zu verdanken. Dass katalanische Kollegen immer wieder auf oder am Rand von Demonstrationen der Ciudadanos (Cs), Volkspartei (PP) oder der sogenannten "Katalanischen Zivilgesellschaft" (SCC) angegriffen oder angefeindet werden, wird gemeinhin in den Medien aus der spanischen Hauptstadt Madrid nicht herausgestellt. Auch als kürzlich sogar ein bekannter katalanischer Fotojournalist von einem Polizisten angegriffen und seine Nase von dem "Ordnungshüter" gebrochen wurde, der dabei auch noch den ehemaligen Diktator Franco hochleben ließ, wurde dies ebenfalls in Madrid fast vollständig übergangen. Und deshalb fand sich darüber auch kaum eine Meldung in deutschsprachigen Medien.

Gelb-Phobie
Im aktuellen Fall sah sich sogar die Ciudadanos-Partei gezwungen, Stellung zu beziehen. Schließlich lief der Angriff vor den Kameras ab, die sie herbeigerufen hatten. Die Bilder machen klar, dass die Gewalt von ihren Anhängern ausging. In einer Erklärung distanziert sich erstmals die Partei von einer solchen Attacke. Sie spricht aber von "einem eingeschleusten Radikalen" und stellt sich zudem selbst als Opfer dar, denn auch die Parteimitglieder seien von Radikalen "bedroht" worden. Die Bilder zeigen aber deutlich, dass der Kameramann nicht nur von einer Person angegriffen wurde und insgesamt eine sehr aufgeheizte Stimmung unter den vielleicht 500 Protestierenden herrschte.

Klar ist, dass die Partei die Stimmung seit Monaten gezielt anzuheizen versucht und provoziert. Sie fabuliert seit Monaten von einer "soziale Spaltung" der Gesellschaft, die sie mit allen Mitteln aufzuzeigen versucht. Sie hat unter ihren Anhängern eine regelrechte Phobie auf die gelbe Farbe geschaffen. Sie ruft offen dazu auf, gelbe Schleifen zu beseitigen, mit denen die Unabhängigkeitsbewegung an die politischen Gefangenen erinnert. Parteichef Albert Rivera und der neue PP-Chef Pablo Casado fordern nun sogar Schutz für die, die mit ihren Aktivitäten die Meinungsfreiheit einschränken. Casado will sogar, dass gegen die juristisch vorgegangen wird, die gelbe Schleifen aufhängen.

Diese Phobie geht inzwischen so weit, dass gelbe Schutzummantelungen von Säuberungskommandos an Gerüsten abgenommen und gelbe Markierungen an Wanderwegen von Unionisten übermalt werden. Es werden sogar ganze Rollkommandos aufgestellt, die in den frühen Morgenstunden mit Cuttern und Leitern bewaffnet, maskiert und uniformiert, durch die Dörfer und Städte ziehen, um Fahnen, Transparente und Schleifen der Unabhängigkeitsbewegung abzureißen.

Auch dabei kommt es immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen. Die Regionalpolizei Mossos d'Escuadra hat bei Personenkontrollen in diesen Trupps Regionalpolitiker der Cs und Mitglieder der Guardia Civil identifiziert. Das Ergebnis ist, dass nun sogar gegen die Regionalpolizisten vom Ministerium für Staatsanwaltschaft ermittelt wird, die ihrer Aufgabe nachgekommen sind, bewaffnete und vermummte Personen zu identifizieren.
 
Krause Vorgeschichte
Interessant ist aber auch, warum die Cs überhaupt zum Protest am Parlamentspark getrommelt haben, bei dem es zur Gewalt gegen den Kameramann kam, die angeblich zum Ziel hatte, "gegen Gewalt" und für das "Zusammenleben" einzutreten. Hinter dem Aufruf stand die Behauptung der Partei, ein Unabhängigkeitsbefürworter habe am Wochenende eine Frau in dem Park geschlagen, weil sie gelbe Schleifen abgeschnitten hat.

Doch der Angreifer, der eher selbst aus dem rechten Spektrum zu kommen scheint, hat längst jeden politischen Hintergrund geleugnet. Joan Bautista G. erklärte gegenüber einer spanischen Zeitung, es sei zum Streit gekommen, "als ich dieser Frau vorgeworfen habe, dass sie die gelben Schleifen einfach auf den Boden" im Park geworfen und "die Stadt verschmutzt hat. Er sei von der Frau "zwischen die Beine getreten worden und daraufhin habe er zugeschlagen". Tatsächlich hat er noch vor der verletzten Lidia Anzeige erstattet.

Zunächst sprach auch ihr Ehemann nicht von einem politischen Hintergrund. Er deutete vielmehr eher fremdenfeindliche Motive an. Denn der Schläger soll der Frau, als er feststellt habe, dass sie Ausländerin ist, erklärt haben: "Hau in dein Scheißland ab." Das sagte der Mann, der selbst Mitglied der Ciudadanos-Partei ist, kurz nach den Vorgängen gegenüber dem spanischen Fernsehen. Von einem politischen Zusammenhang der Tat war dabei keine Rede.

Doch das hat sich offensichtlich geändert, nachdem sich die Führung seiner Partei des Falls angenommen hatte und von Rechtsradikalen und Neofaschisten eine massive Kampagne in den sozialen Medien gestartet worden war. Die wurde mit Fake-Bildern über den angeblichen Nasenbruch und Verletzungen von der Russin aufgebauscht. Tatsächlich stammten die Bilder entweder von einer Klinik, die Nasenoperationen durchführt, oder zeigten das Ergebnis eines Boxkampfs in Ohio.
 
Aber nicht nur die Kundgebung in Barcelona zeigt, dass die Cs auf Biegen und Brechen an ihrer Strategie festhalten, eine angebliche Gewalt der Unabhängigkeitsbewegung herbei zu fabulieren, um eine angebliche soziale Spaltung zu belegen. So kommt auch die spanische Satirezeitschrift El Jueves zu dem Ergebnis: "Die Partei, die den Hass schürt, organisiert eine Demonstration gegen den Hass, den sie geschürt hat."

Statt eine Phobie gegen alles Gelbe zu entwickeln, könnte man sich auch mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die gelben Schleifen der Ausdruck davon sind, dass hochrangige Politiker und Aktivisten fast seit einem Jahr für eine herbeifabulierte Rebellion im Knast sitzen, andere wie der ehemalige Regierungschef Carles Puigdemont im Exil sind. Dass Belgien, Deutschland, die Schweiz und Großbritannien Politiker wie Puigdemont nicht an Spanien ausliefern, sollte in Spanien zu denken geben. Schließlich konnten unabhängige Richter keine Gewalt der Unabhängigkeitsbewegung feststellen, die für eine Rebellion oder Aufruhr zwingend nötig wäre. Deshalb hätte das auch in Spanien längst zu ihrer Freilassung führen müssen, da die absurde Anklage längst in sich zusammengebrochen ist. Spätestens jetzt darf man von politischen Gefangenen sprechen, da die neun Gefangenen wegen ihrer politischen Tätigkeit inhaftiert sind. Trotz allem soll ihnen in Spanien im Herbst mit diesen absurden Vorwürfen der Prozess gemacht werden, der sie für bis zu 30 Jahre hinter Gitter bringen kann.
 
 


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