Col·lectiu Emma - Explaining Catalonia

Wednesday, 22 january 2014

Deutsch

2014: bekommt der katalanische Unabhängigkeitsprozeß jetzt Unterstützung von außen?

Die Katalanen haben sich auf einen Weg begeben, der ihr Land unabhängig von Spanien machen könnte. Die historischen, kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Gründe dafür, warum sie diesen Weg gewählt haben, sind ausführlich erklärt worden und stoßen auf immer mehr Verständnis und Akzeptanz von vielen Seiten. Viele wissen, dass die Entscheidung, sich eine alternative politische Struktur zu schaffen, erst fiel, nachdem alle Versuche, Spanien in ein wirkliches „Land der Länder“ umzuwandeln, abgelehnt wurden, oft mit dem erschwerenden Umstand einer erniedrigenden Behandlung. In letzter Zeit verhärtet sich die Haltung der Zentralregierung immer mehr und kehrt zu ausgesprochen unliberalen Positionen zurück, die an eine Zeit der „Politik der harten Faust“ erinnern, die man eigentlich in Spanien für überwunden geglaubt hatte. Gleichzeitig werden sich immer mehr Katalanen klar darüber, was es bedeuten würde, wenn sie jetzt nicht handeln. Katalonien würde ein für allemal die untergeordnete Rolle akzeptieren, die ihm Spanien in der Vergangenheit und in der Zukunft zugedacht hat und sich damit der vollständigen Assimilation fügen.

Heute haben die Katalanen ihren eigenen Plan und haben der Welt bisher beispielhaft gezeigt, wie sie ihr Anliegen verwirklichen möchten. Mit sehr viel Geduld haben sie neue Schritte immer erst dann eingeleitet, wenn ihre Vorschläge wiederholt zurückgewiesen worden waren. Sie haben dabei auf alle gesellschaftlichen Gruppen gebaut und haben niemandes Beteiligung ausgeschlossen. Friedlich gingen sie zu Hunderttausenden auf die Straßen, um ihrem Willen Nachdruck zu verleihen, ohne andere zu bedrohen und ohne jede Gewalt. Demokratisch haben sich ihre gewählten Vertreter dem Willen des Volkes angeschlossen, anstatt von oben herab zu diktieren, und erreichten so, dass sich alle Partner von links oder von rechts zu einer umfassenden Koalition vereinen konnten. Verantwortungsvoll setzten sich die meisten politischen Kräfte, sofern sie an der gemeinsamen Sache mitarbeiten wollten, an den Verhandlungstisch, um gemeinsame Nenner zu finden und den Prozess voranzutreiben. Und vor allem blieben sie zu jeder Zeit offen: bis zum heutigen Tag bietet die katalanische Regierung und das katalanische Parlament ihren spanischen Ansprechpartnern an, jede Möglichkeit eines einvernehmlichen Abkommens zu erforschen, anstatt einen abrupten, einseitigen Schritt gehen zu müssen. Wenn so keine sanfte Revolution aussieht, wie sonst?

2014 wird ein entscheidenes Jahr für Katalonien werden. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass das Land vor einem Wendepunkt steht: das Zusammenwirken der großen Mehrheit der politischen Kräfte im Parlament, die übereinstimmenden Ergebnisse sämtlicher Meinungsumfragen und die beeindruckenden Demonstrationen der Bürger, ganz abgesehen von dem Fehlen glaubwürdiger Alternativen auf der unionistischen Seite. Eine Mehrheit der Katalanen will eine grundsätzliche Veränderung und ihre gewählen Vertreter haben sich verpflichtet, ihnen das Mittel dafür zur Verfügung zu stellen, dass sie entscheiden können, in welche Richtung diese Veränderung gehen soll. Ihr Vorschlag ist, am 9. November 2014 die Katalanen in einem Referendum –ähnlich dem in Schottland für September einberufenen – zu befragen, ob sie tatsächlich einen eigenen Staat für Katalonien wünschen. Niemand außerhalb Spaniens bezweifelt die Rechtmäßigkeit eines solchen Vorhabens. Aber trotzdem hält das spanische Establishment in seltener Einhelligkeit zusammen, um genau diese Abstimmung zu verhindern; wobei auch die Regierung und die Opposition in ihrer Unnachgiebigkeit fest zusammenstehen und ohne Gewissensbisse die undemokratischsten Positionen zur Schau stellen. Dies ist die Lage zu Beginn des neuen Jahres – eine festgefahrene Situation.

***

Auf der internationalen Bühne wird die Lage in Katalonien zur Zeit offiziell noch als interne Angelegenheit Spaniens behandelt. Allerdings ist man sich darüber im Klaren, dass die Folgen der Entwicklung nicht an den Pyrenäen halt machen werden und dass die derzeitige Ungewissheit bei allen Schaden anrichtet – natürlich in Katalonien und in Spanien, aber auch über die Landesgrenzen hinaus. Wenn die spanische Seite nach wie vor auf ihrer Position beharrt und wenn weiterhin jeder Vorschlag aus Katalonien rein verfahrenstechnisch abgelehnt oder gar ganz ignoriert wird, könnte irgendeine Form von Beteiligung Außenstehender notwendig werden, um aus der verfahrenen Lage herauszuführen. Denn mit der Unterstützung externer Akteure könnte man Spanien helfen, über seinen eigenen Schatten zu springen. Die Menschen wie auch die Politiker dort werden sich, selbst wenn sie sich noch so sehr sträuben, damit arrangieren müssen, dass man – um Premierminister Cameron’s Worte in Bezug auf Schottland zu paraphrasieren – die Katalanen nicht gegen ihren Willen in Spanien halten kann.

Eine gute Portion stiller Diplomatie ist wahrscheinlich in dieser Phase das beste Hilfsmittel. Ausländische Akteure haben durchaus eine Einwirkungsmöglichkeit auf ein finanziell und politisch im Engpass befindliches Spanien und könnten diesen Einfluss vielleicht dazu nutzen, die spanischen Politiker zu ermuntern, den einzig logischen Schritt zu gehen. Zumindest gibt es in dieser Richtung schon ein paar öffentliche Äußerungen, und im privaten Kreise wahrscheinlich eine ganze Menge mehr. Es würde in der jetzigen Phase sicher nicht schaden, wenn die Rückendeckung von außen zunähme. Besonders um diejenigen in Spanien, die sich durch die Wahl der Katalanen bedroht fühlen, von unfairem Spiel und hoffentlich auch von Waffengewalt abzuhalten.

Eigentlich sollte allen Beteiligten klar sein, dass die Situation sich so zugespitzt hat, dass man den Willen des katalanischen Volkes nicht weiter ignorieren kann. Jeder Versuch, ihnen das Wahlrecht zu verweigern, ihre gewählten Führer hinter Gitter zu bringen oder hinter verschlossenen Türen irgendeinen last-minute-Kompromiss anzubieten, wird das Problem nicht lösen, sondern es lediglich hinausschieben und noch schlimmer machen. Eine Wahl ist aus demokratischer Perspektive zu diesem Zeitpunkt die einzige Lösung. Daher sollte es das unmittelbare Ziel aller sein, den Katalanen den Gang zu den Urnen zu ebnen. Und wenn sie sich dann tatsächlich für einen unabhängigen Staat entscheiden sollten, wird es in der Verantwortung aller liegen, die Entwicklung scharf im Auge zu behalten, um dafür zu sorgen, dass es tatsächlich der freie Wille des Volkes ist, der die Tagesordnung bestimmt.

(Aus dem Englischen übersetzt von Thomas Spieker und Tilbert Dídac Stegmann)


Very bad Bad Good Very good Excellent (4 vòtes)
carregant Loading




Lectures 3013 visits   Send post Send


Col·lectiu Emma - Explaining Catalonia

Col·lectiu Emma is a network of Catalans and non-Catalans living in different countries who have made it their job to track and review news reports about Catalonia in the international media. Our goal is to ensure that the world's public opinion gets a fair picture of the country's reality today and in history.

We aim to be recognized as a trustworthy source of information and ideas about Catalonia from a Catalan point of view.
[More info]

quadre Traductor


quadre Newsletter

If you wish to receive our headlines by email, please subscribe.

E-mail

 
legal terms
In accordance with Law 34/2002, dated 11 July, regarding information services and electronic commerce and Law 15/1999, dated 13 December, regarding the protection of personal data, we inform you that if you don’t wish to receive our newsletter anymore, you can unsubscribe from our database by filling out this form:








quadre Hosted by

      Xarxa Digital Catalana

Col·lectiu Emma - Explaining Catalonia